Demokratie – Politik – Bildung. Eine erziehungswissenschaftliche Verhältnisbestimmung
Wolfgang Meseth
Der demokratische Rechtsstaat sieht sich gegenwärtig mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert. Gesellschaftliche Polarisierung, digitale Öffentlichkeiten und Desinformation, wachsende soziale Ungleichheiten sowie die Pluralisierung von Lebensformen und Wissensordnungen werfen nicht nur Fragen nach seiner politischen Stabilität auf, sondern auch nach den Voraussetzungen seiner Bestandsfähigkeit. Damit rückt auch das Verhältnis von Demokratie, Schule und Bildung in den Fokus erziehungswissenschaftlicher Reflexion.
Ausgangspunkt des Vortrags ist die Annahme, dass dieses Verhältnis weder selbstverständlich noch widerspruchsfrei ist, sondern sich im Spannungsfeld unterschiedlicher normativer Orientierungen zwischen schulorganisatorischen Anforderungen, moralisch-politischen Erziehungs- und fachlichen Bildungsansprüchen sowie schulischen Leistungserwartungen konstituiert. Der Vortrag fragt danach, wie diese Spannungsverhältnisse erziehungswissenschaftlich beschrieben werden können und welche Konsequenzen sich daraus sowohl für professionelles Lehrkräftehandeln in der Schule als auch für die Lehrkräftebildung ergeben.
